Büro für Umweltkommunikation | Ute Holzmann-Sach
 


 

Glaubwürdigkeit

Glaubwürdigkeit ist für mich das A und O der Kommunikation. Nur wer glaubwürdig ist, dem schenken Menschen ihr Vertrauen. Nur der kann überzeugen, zum Handeln bewegen und führen. Glaubwürdigkeit bedeutet, des Glaubens würdig und wert zu sein. Praktisch heißt dies: Wir müssen sie uns ständig neu verdienen. Dazu gehört für mich in der Kommunikation, nur das zu kommunizieren, was wahr und wirklich besonders ist. Interessenkonflikte, Nachteile, Unsicherheiten, Risiken, Zweifel etc. nicht zu verstecken, sondern offen zu benennen. Einklang zwischen Versprechen und Erfüllen, zwischen Worten und Taten herzustellen.
Glaubwürdigkeit beruht auf Klarheit, Bescheidenheit und Verlässlichkeit. Sie wächst aus dem Dialog und gedeiht nur in der Nähe. Ich meine: Damit diese Nähe entsteht, brauchen wir eine Sprache, die sich möglichst nah an der Wirklichkeit der Menschen bewegt. Die auf Phrasen und Schlagworte verzichtet und stattdessen verbindlich, verständlich, aussagekräftig und lebensnah formuliert.

Nutzen

Dem Einzelnen fällt es immer schwerer, unsere Welt zu verstehen. In dieser Situation hat das Denken und Handeln in Nützlichkeitskategorien eine wichtige Erklärungs- und Steuerungsfunktion. Im Vordergrund steht dabei der kurzfristige individuelle Nutzen. Er dient dem Einzelnen als Orientierungsmuster, um komplexe Sachverhalte für sich und seine Alltagswelt zu erschließen. Ich halte es deshalb für falsch, den individuellen Nutzen als „Egoismus“ abzutun. Vielmehr ist er ein guter Weg, um Menschen in ihrer Alltagswelt abzuholen. Um Transparenz und Vertrauen zu schaffen und einen fairen Interessensausgleich zu erzielen.
Gleichwohl lehne ich es ab, bei einem kurzfristigen individuellen Nutzen stehen zu bleiben. Für mich ist es wichtig, daneben auch den langfristigen gesellschaftlichen Nutzen zu thematisieren, so weit wie möglich zu konkretisieren und auch zu kommunizieren. Denn er zeigt die Richtung, das Ziel, zu dem es für uns alle geht. Auf diese Weise entsteht Orientierung und Verlässlichkeit. Und eine glaubhafte Klammer für den zielgruppenspezifischen Diskurs.

Faszination

Nutzen ist wichtig, aber nicht alles. Gerade in der Ökologie gibt es eine Ebene, wo es nicht nur um den Nutzen für den Menschen und um Chancen für die Wirtschaft geht. Schließlich kann es nicht sein, dass wir Pflanzen, Tieren und Ökosystemen nur dann ein Existenzrecht zubilligen, wenn sie für uns nützlich sind. Eine Kommunikation, die nur am Nutzen ansetzt, birgt jedoch die Gefahr, dass genau dieser Umkehrschluss entsteht. Für mich ist die Umwelt ein Gut, das aus sich heraus schützenswert und eben nicht zweckgebunden, auf den Vorteil des Menschen ausgerichtet ist. Ich meine: Hier geht es auch um eine Schönheit und Vielfalt, die nur für sich selber steht. Und damit um eine ästhetische, emotionale und ethische Dimension. Eine glaubhafte Kommunikation muss aus meiner Sicht auch diese Ebene vermitteln – die Faszination des Lebens, unserer Welt.



Ute Holzmann-Sach, Büro für Umweltkommunikation